„Krabat“ und die Moral von der Geschicht´

Das Jugendbuch „Krabat“ von Preussler habe ich in einer späten Jugendphase gelesen, so mit Anfang 20. Das ist jetzt schon ein paar Wochen her und ich habe vor kurzem den Film „Krabat“ gesehen, der kam letztes Jahr(?) in die Kinos.
So als Entertainment schafft der Film schon einiges, wobei er sich wohl sehr weit vom Buch entfernt. Er hält sich an ein Strickmuster für Filme, das kurz beschrieben so aussieht: Es geht los, die Situation verbessert sich ein wenig, dann geht ordentlich bergab, um darauf zu einem ersten Höhepunkt zu kommen, von da gehts nochmal richtig in den Keller („deepest shit point“), um schließlich zum Happy End dahin – also bergauf – zu gleiten.
Wie gesagt, „Krabat“ stellt in diesem Punkt keine Ausnahme dar. Aus soziologischer Perspektive fand ich das Ende sehr spannend. Die Erzählerstimme aus dem Off – der alte und weise Krabat erzählt retrospektiv – schließt den Film mit den Worten:

„Alles hat seinen Preis.
Nur die Freiheit lässt sich nicht eintauschen.“

Im Kontext des Films heißt das, dass alles käuflich und also zu haben ist, nur die Freiheit ist so ein wertvolles Gut, dass sie keinen Preis hat bzw. haben darf. Eine wunderschöne Botschaft für 2009 und bestimmt auch 2010, weil wir dabei lernen, dass allein die Freiheit zählt, egal wie wir sonst am Hungertuch nagen und uns in unserer materiellen (Erwerbsarbeits-) Existenz bedroht fühlen. Schöner Schnulz.
Stellt sich aber noch die Frage, um welche „Freiheit“ es sich da handeln soll? Die „Freiheit“ ist das Recht auf Warenförmigkeit: auf Konsum. Die faktische Möglichkeit, zu konsumieren – also Geld haben -, ist kein Recht. Das bleibt schön privat, weil wir alle sind ja unseres Glückes Schmied…

Als besonders spannend entpuppt sich dieses Resüme Krabats, wenn es nicht im Kontext des Films „gefangen“ wird sondern auf gesellschaftliche das heißt kapitalistische Verhältnisse angewandt wird. Die Erkenntnis ist so einfach wie entlarvend:
Dass alles seinen Preis hat, lernen wir von klein auf, alles und jedeR ist im Kapitalismus käuflich. Das ist nicht wirklich neu, wird dem Publikum aber auch selten so direkt und unverblümt ins Gesicht gesagt.
Dass sich Freiheit nicht eintauschen lässt, ist eine weitere Erkenntnis: In gesellschaftlichen (Tausch-) Verhältnissen ist Freiheit nicht käuflich. Die Botschaft ist einfach: Wir können konsumieren wie wir wollen, wir werden nie frei sein.

Frohes Neues.

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