Susan Arndt: Rassismus und Sprache?

Ich war am letzten Mittwoch auf einer Veranstaltung von commit e. V., die im Rahmen der Berliner Afrika-Konferenz – erinnern, aufarbeiten, wiedergutmachen stattfand. Es hat Susan Arndt geredet, eine Anglistin, die derzeit an der Goethe-uni in Frankfurt lehrt.
Thema ihres Vortrags war, was Rassismus ist und was das mit Sprache zu tun hat. Rassismus hat sie – kurz – definiert als eine Erfindung der Kolonialherrscher ab dem 16. Jahrhundert. Über äußerliche Merkmale wurden unterschiedliche „Menschenrassen“ behauptet, mit denen eine Hierarchisierung dieser Menschen legitimiert werden sollte, es ging um nicht mehr als die ideologische Legitimierung menschenverachtender wirtschaftlicher Ausbeutung von Menschen aus den in Afrika eroberten Gebieten.
Mit der Behauptung von Rassen, die an körperlichen Merkmalen festgemacht wurde, hat sich auch die Sprache dieser gesellschaftlichen Realität angenommen. Viele Begriffe, die wir heute in Deutschland ganz unschuldig verwenden, haben ihre Bedeutung durch rassistisches Denken erfahren: „Schwarzfahren“, „Schwarzarbeit“, „Schwarz-…“ usw. sind Begriffe, die durch die Aufladung der Farbe schwarz als von der weißen Norm abweichend deutscher Sprachalltag sind. Andere Wörter wie das N-Wort sind ja bereits als rassistisch diskriminierend erkannt worden und formal gebannt. Dass damit allerdings nur ein kleiner Anfang gemacht worden ist, muss erst mal hingenommen werden.
Interessant wie auch wichtig finde ich immer wieder den Gedanken, dass ich mit Sprache, die ich als weißer deutscher verwende, meine Normalität produziere. Die Normalität soll hier schon als Norm verstanden werden. Und wenn ich eben Normalität produziere und mich sprachlich und damit auch auf der Bedeutungsebene auf rassistische Konstrukte beziehe, reproduziere ich damit rassistische Strukturen…
Wem das nicht einleuchtet, sei besonders auf Noah Sow´s Buch „Deutschland schwarz weiß“ verwiesen. Auch sehr interessant zu diesem Thema ist die Website vom Braunen Mob e. V..
Überhaupt, wissenschaftliche Forschung, die unser heutiges Weltbild mit der deutschen kolonialen Geschichte denkt, nennt sich kritische Weißseinsforschung oder englisch: critical whiteness. Check this out.

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