Touristing the Capital

So, der Besuch war da und hat sich auf touristischen Bahnen durch die Stadt bewegt, ich mich natürlich auch.
Samstag sind wir vom Alexanderplatz aus Richtung Museumsinsel gelaufen, zum Pergamonmuseum. Mir ist aufgefallen, dass ich gern ein bisschen waas erzählt hätte hierzu und dazu, konnte ich aber nicht wirklich. Naja, zum Fernsehturm fiel mir immerhin ein, dass er im Osten mal als Wahrzeichen gebaut wurde, um dem „alten“ Funkturm aus den 20ern den Rang abzulaufen. „Der Fernsehturm am Alex wird auch große Discokugel genannt“ hörte ich mich auch sagen. Wir sind dann am „Was ist das für eine Kirche?“ – „Das ist das rote Rathaus“ vorbeigelaufen, an einem der wenigen Denkmäler an Marx und Engels und waren dann auch schon recht flix am Pergamonmuseum. Da drin gibts behauene Steine aus den letzten drei Jahrtausenden aus dem Mittelmäherraum und Geschichten dazu. Die Geschichten dazu sind leider auf die sogenannten Fakten reduziert: „Im Jahr 20.000 vor unserer Zeitrechnung (oder „vor Christi“?) im Auftrag des Königs Heraphiliodegenes gebaut. Der Architekt ist der durch den Tempelbau von Ischtalikiodaterium berühmt gewordene Philosiakles von Thyrremien…“ Imposant sind dann die Ausmaße der riesigen aufeinander liegenden Steinklumpen.
Wenn ich sage, „Leider auf die sog. Fakten reduziert“ meine ich da,mit, dass eben nichts darüber gesagt wurde, unter welchen Verhältnissen da was gebaut wurde. Haben da irgendwelche königstreuen aus Spaß so einen Tempel oder eine Burg gebaut oder mussten sie da zwangsweise schuften, während der Herrscher auch noch deren Kinder gefressen hat? Nischte. Schade.
Außerdem: Was es da zu sehen gibt ist der Größenwahn von ein paar zur damaligen Zeit zu reichen Menschen. Das ist so, wie sich heute superteure Yachten von irgendwelchen Leuten in Monte Carlo anschauen zu gehen und(!) dafür noch Eintritt zu bezahlen. Das ist irgendwie nichts für mich…
Interessant aus soziologischer Sicht ist allerdings, wie dieser antike Reichtum dargestellt wird und wie darüber so scheinbar nüchtern und mit tausend Fakten unterlegt darüber geredet wird. Niemand sagt: „Seht her Leute, schon damals wurden die Leute ausgepresst und die Bonzen haben sich hier mit der Arbeitskraft anderer Leute riesige Schlösser bauen lassen“, um dann zu der Frage überzugehen: „Gibt es dazu heute vielleicht Parallelen?“
Ne, Herrscher aus früheren Zeiten werden bestaunt und ihren Repräsentanzen werden Museen gewidmet, kritisches Bewusstsein gegenüber jeglicher Form von Herrschaft wird damit bestimmt nicht gefördert. Geistiger Weichspüler als Hochkultur…

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